Dienstag, 17. Februar 2009

Curriculum Vitae



Text von Markus Pescoller 5.11.2011

Zuerst ist da nichts oder eine Miniatur, ein Stück Holz, eine Vertiefung im Waldboden, eine aufgekratzte Stelle an einer Hausfassade, eine Verunreinigung in einem Gesicht, die Anlass für eine Aufmerksamkeit werden, für ein dumpfes Gefühl, welches auch später dann nur beschränkt rationalisierbar ist. Die Dinge, die kleinen wie die großen sind mit etwas ausgestattet, das in der Sprachwissenschaft die illokutionäre Kraft heißt. Es ist eine Kraft, die in den Dingen insofern steckt, als der Betrachter sie in die Dinge hineinbringt und – abhängig von seiner geschichtlich-provinziellen Herkunft, seiner sozialpsychologischen Kontextualisierung und Individuierung – über unterschiedliche Darstellungsmodi wiederum hervorholt. Natürlich kann auch nichts hervorgeholt werden. Abhängig aber von der, wiederum vom je geschichtlich-provinziellen Betrachter abhängigen Kraft, sind die Handlungsanschlüsse unterschiedlich. Man kann nur einen kurzen Blick hinwerfen, man kann das Ding rational-wissenschaftlich analysieren, es kann sich die Form im Gedächtnis einprägen, man kann einen Prozess beginnen, der das Ding oder was man meint, dass das Ding bedeutet, verändert, ohne den Ausgang dieser Veränderung zu kennen.
Mir scheint, dass Thomas Jakob Reichegger die letzte Darstellungsform wählt. Die Miniatur ist Anlass für einen in Gang zu bringenden Prozess, der unscharf ist, wobei diese Unschärfe bis zur Vollendung des Werks anhält. Zwar ist ein Prozess immer irgendwie mehr oder weniger gerichtet, zumal bestimmte Entscheidungen die folgenden Entscheidungen schon einschränken, doch sind diese Entscheidungen kontingent:
Eine Stelle wird gefunden, eine Form mit einer für den Künstler großen illokutionären Kraft, eine Vertiefung im Waldboden, die weiter ausgegraben wird, wodurch ständig neue Formen entstehen, neue Dinge mit einer neuen illokutionären Kraft, also mit neuen Handlungsanschlussmöglichkeiten, die den Prozess in eine Richtung bringen können aber genauso gut in eine andere. Das Verfahren ist ein ad-hoc-Verfahren, ein hic et nunc, das gewissermaßen das Chaos programmatisch in sich enthält. Es ist ein ständiges Fließen, dessen Ausgang ungewiss ist, geleitet von einem nur im Nachhinein, rekonstruktiv teilrationalisierbaren Gefühl. Die rekonstruierbaren Deutungen der nach dem Verlauf entstandenen Form, des Werks sind, so scheint mir, nicht so wichtig. Natürlich kann das Holz psychologisch oder gar psychoanalytisch mit Kindheitserlebnissen in Verbindung gebracht werden, können die Entdeckungen im Wald als Wiederholung von Wahrnehmungserlebnissen in frühen Jahren verbunden werden, doch geht es, so denke ich, mehr um den Prozess als um die endgültige Form. Diese ist nämlich häufig genauso unterschiedlich, weshalb auch keine gewissermaßen einheitliche Werkform bestimmt werden kann. Die Zeichnungen mit BIC-Kulli haben formal nichts zu tun mit einer Abdeckung eines Lochs im Wald oder mit den bewegten Walkman-Collagen oder mit der Zusammenstellung von verschiedenfarbigen Dämmplatten. Das Werkergebnis ist zwar so wie es ist, es hätte aber auch ganz anders sein können. Das liegt daran, dass nicht ein Ding, eine These, mit einem anderen Ding, einer Antithese, zu einem neuen Ding, einer Synthese nach einem bestimmten Verfahren verbunden werden, sondern dass die Dinge sich überlagern, in der Überlagerung sich verändern, was wiederum die Wahrnehmung damit die Performance verändert, was wiederum die Dinge verändern usw. bis zu einem zeitlich fixierten Stopp. Doch auch das dogmatische Ende ist nicht abhängig von der entstandenen Form, gewissermaßen von dem, was man die Vollendung des Werks nennen könnte. Es ist genauso willkürlich und hätte früher wie auch später festgesetzt werden können. Die Entscheidungen im Verlauf des Prozesses werden also nicht rational im Hinblick auf ein formales, syntaktisches oder gar semantisches Endergebnis getroffen, sondern die Performativität des Prozesses selbst ist das Werk, das vorläufige Endergebnis nur die Folge daraus.
Die Performativität und die in diesem Prozess enthaltenden immer wieder neuen Illokutionen, also die ständig neu entstehenden Handlungsanschlussmöglichkeiten im prozeduralen Verlauf sind das Charakteristische des Werks von Thomas Jakob Reichegger. Dazu gehören auch die assoziativ-poetischen Texte, die nichts erklären, sondern nur begleiten und darin auch Teil des Verlaufs sind. Dazu gehören auch die den Verlauf begleitenden Notizbücher, die schwer eine lineale Entwicklung erkennen lassen, sondern genauso schwankend dem Fließen folgen, sich vom Fließen treiben lassen.
Dennoch ist es nicht die Performativität selbst, die dargestellt wird: Thomas Jacob Reichegger dokumentiert zwar zum Teil die Performance, doch ist das mehr ein Nebenschauplatz. Eigentlich ist es das Zwischending zwischen Performance und materialem Werk, welches teils mehr in die eine, teils mehr in die andere Richtung schwankt.




Curriculum Vitae


personal information:
full name: Thomas Jakob Reichegger
date of birth: 22nd November1973 in Bruneck (BZ), South Tyrol, Italy
address: Gasteigweg 2A, 39030 St. Lorenzen (BZ), South Tyrol, Italy
studio: Handwerkerzone Aue 13, 39030 St. Lorenzen (BZ), Italy
e-mail: thomas_reichegger@hotmail.com

education:
1996 degree from the Art School in Venice, architecture
1999 Academy of Fine Arts, Munich
2001 Wimbledon School of Arts in London, theatre design
2003 degree from the Academy of Fine Arts in Carrara, sculpture

exhibitions:
1997 landscape sculpture on the Isle of Linosa (Italy)
1997 group exhibition“in fieri”, in Carrara (Italy)
1998 1st “ Biennale” of Academy students in Italy in Suvereto (Italy)
2000 2nd “ Biennale” of Academy students in Suvereto
2000 group exhibition „Scultura a Carrara in viaggio“ in Capo d’Orlando, Sicily
2001 solo exhibition at the Wimbledon School of Art in London with the installation „one hundred“
2004 group exhibition in the church of Bedizano (Italy)
2006 landscape sculpture on the Rudlhorn + exhibition, „entdeckte Orte“ ( discovered places) with „Unterschlupf“ in Taisten- Welsberg (South Tyrol)
2007 group exhibition “Kunstmyststücke“, with drawings on the basis of the installation „Studio 1“, Bruneck (South Tyrol)

2008
03. -15.May: paralell exhibition to the play “Chatroom”, with „sehnsüchtig, skulpturale Visionen zwischen Alltag und Traum”,(longing, sculptural vision between everyday life and dream) at the youth- and cultural centre UFO in Bruneck and at the “Theater im Hof”, Bozen
07. June: intervention in the forest‚ allegory of a picknick, Gran Hotel in Toblach (South Tyrol)
01. July–30.August: Work in progress: „BaumRaumTraum“(treespacedream)
experimental landscape project at the cultural centre Kulturzentrum UFO in Bruneck

14. Aug.-27 Sep. Drawing & plastic, for the parallel event “Manifesta7“, Buchladen Gallery, Bruneck
21. August Projection of a documentary video „BaumRaumTraum“( treespacedream), open air cinema at the Ufo
23. August group exhibition with drawings „Prozesse zur Wirbellosigkeit“, Haus des Wassers, Lappach
July-October: , parallel event of the Manifesta7, project with the cultural agreement KUNSTMYST „Anagama“ in Weisenbach (South Tyrol) LINK
2009
January: Works in public space for the University of Bruneck
04.06. Krossing "give mi sometings to live my love", Mestre
LINK
27.07.-01.08.2009 kunstlab, prisma gallery, Bozen, LINK09.10.One Night, Posthotel Hirsch, Prad am Stilfserjoch
14.11. -28.11.2009 personal exhibition in the post office of Bruneck

2010
31.03. UFO, Bruneck, Videos
black ligth, 35min.
self-portrait, 3min.

01.04. Instalation in the building of the University of Bruneck with "science is fantasy"09.07. group exhibition, 91m, Berlin "this is the end"
2011
05.02. "Die Geister die ich rief..." , Bruneck LINK1.station: public library "Lehrling" (drawing and video) 
2.station: university building "Frühling,Sommer,Herbst und Winter" (assemblage)
3.station: Ragenhaus "Meister" (intervention on location and video)
01.07. "Hirtenjunge" and "Dachboden" personal work presentation, St.Lorenzen (BZ)
01.09. "Grün bei Mitternacht" personal exibition on the wine & cigar club, Bruneck LINK
30.09. Ex- alumix, with wubwub by "Transart" contemporary culture and music festival, bozen
22.10. Intervention and video in the forest of Toblach (BZ) "ÖVMEMBM"

2012
13.04. "früh morgents kann ich die Fische nicht mehr ernähren"  group exhibition "neue Zeiten tempi moderni" in the city Museum of Bruneck

2016
"ein guter Tag heute" group exhibition "Wege zum Museum" in the city of Bruneck








Sonntag, 8. Februar 2009

Mittwoch, 28. Januar 2009

BaumRaumTraum

"Unterschlupf"


Das Projekt BaumRaumTraum ist eine Auseinandersetzung mit den Orten unseres Ursprungs. So ist die alpine Landschaft eine Umgebung die uns seit der Kindheit bekannt ist. Dort wo die ersten kreativen Erfahrungen erlebt werden. In einem Raum ohne Einfluss der aktuellen Gesellschaftsformen. Dort wo ein der Schutzraum Haus auch ein Baum sein kann, Strassen zu ein Geflecht werden die sich nach den bestehenden Landschaftsformen beugen, Werbeplakate von den unzähligen Lebensformen ersetzt werden, das Gehen auf den Strassen ein Gehen mit unerwarteten Erlebnissen werden kann.
Immer wieder greife ich an Erlebnissen meiner Kindheit zurück, sie begleiten mich auf meinem künstlerischen Weg. So sind diese spontanen Erinnerungen meiner Kindheit der Ursprung meines kreativen Schaffens. Dort wo ich mich als Individuum entdeckt habe, und zwar in der Natur.















Sehnsüchtig, skulpturale Visionen zwischen Alltag und Traum



Die fortschreitende Evolution der Informationstechnologie öffnet neue Weg für die Kommunikation. Die Sehnsucht nach „realen“ Erfahrungen bleibt dieselbe.






































































































"Ich erzähl dir wie es in den Bergen ist"


Die Plastiken selbst verstehen sich als Körper die durch den zeichnerischen Prozess herangewachsen sind. Diese kann ich in drei grundlegende Körper unterteilen:
Die Projektionsfläche der Sehnsüchte auf die sich die Blicke richten ist aus der virtuellen Fläche eines Computerbildschirmes und deren futuristische Weiterentwicklung in eine direkte Integrierung eines digitalen Bildschirmes in einer Brille oder Helmes entstanden. Es entstand ein weiche fast hypnotische Fläche die die Betroffenen durch eine „absentes - reflektiven“ Blick aus den Alltag reisen.
Die andere plastische Vision entsteht aus der Reflexion, einen organischen Körper in den elektronischen Datenkodexes zu suchen. Den ersten Ansatz gibt mir das Computervirus. Kann ich durch meine Visionen einen solchen darstellen? Wir würde er aussehen? Es wird wohl kaum “intelligente“ virtuelle Wesen geben die den Menschen ersetzen. Kann es eine skulpturale Form aus digitalen Signalen geben die in Zukunft für eine bestimmte Gruppe von Menschen als Gottheit verehrt werden könnte.






Körperskulpturen . Diese flüssigen Formen schmiegen sich an den menschlichen Körper an. Sie sind eine Annäherung von fremden Körpern und ein direktes Resultat der „visionären Sehnsüchten“.